Von den ersten Arbeitseinsätzen an der Südschleife bis zur Verantwortung für 100 Aushilfen: Karl „Charly“ Mönig hat den Nürburgring über sechs Jahrzehnte begleitet. Er hat Formel-1-Rennen erlebt, die Entstehung der Grand-Prix-Strecke mitverfolgt und bei mehr als 650 Veranstaltungen hinter den Kulissen für einen reibungslosen Ablauf gesorgt. Nach 62 Jahren im Einsatz für die Rennstrecke wurde der Müllenbacher nun in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Eine außergewöhnliche Geschichte voller Erinnerungen, kleiner Anekdoten und einer ganz besonderen Verbundenheit mit dem Nürburgring.
Als Karl Mönig 1965 seine Tätigkeit am Nürburgring begann, war die Welt der Rennstrecke noch eine andere. Die heutige Grand-Prix-Strecke existierte nicht, die Formel 1 fuhr noch auf der Nordschleife und an der Südschleife gehörten improvisierte Lösungen zum Veranstaltungsalltag. Mittendrin: ein 14-jähriger Junge aus Müllenbach, der Eintrittskarten kontrollierte, Aufgaben im Parkplatzdienst übernahm und mit dem familieneigenen Traktor sogar Fahrzeuge aus den nassen Wiesen rund um die Rennstrecke zog. „Ich hatte zwar noch keinen Führerschein, aber mein damaliger Abschnittsleiter konnte nicht so gut Traktor fahren“, erinnert sich Mönig.
Was damals als erster Nebenverdienst begann, entwickelte sich zu einer außergewöhnlichen Verbindung. Über 62 Jahre hinweg blieb Karl Mönig dem Nürburgring treu – neben seinem eigentlichen Berufsleben und über viele Generationen von Kollegen, Besuchern und Verantwortlichen hinweg.
Vom Parkplatzhelfer zum Verantwortlichen für 100 Mitarbeiter
Nach seinen ersten Einsätzen an der Südschleife arbeitete Mönig zunächst im Parkplatzdienst rund um Start und Ziel. Ab 1971 war er als Nachtwache im Abschnitt Hocheichen an der Nordschleife tätig. Dort verkaufte er Rennprogramme sowie Eintritts-, Park- und Campingkarten. Bei großen Rennveranstaltungen wie der Formel 1 oder dem 1000-Kilometer-Rennen fehlte schon mal Personal für den Rennsonntag. Dann wurde aus der Nachtschicht kurzerhand eine 20-Stunden-Schicht. Eine entscheidende Wendung nahm seine Nürburgring-Geschichte im Januar 1980 – und zwar im Gasthaus Gilles in Müllenbach. Dort fragte ihn der damalige Abschnittsleiter, ob er nicht dessen Aufgabe übernehmen wolle. Mönig lehnte zunächst ab. Zu groß erschien ihm die Verantwortung. Zwei Wochen später traf man sich erneut im Gasthaus. „Nach ein paar Bier habe ich dann doch zugesagt“, erinnert sich Mönig. Die Zweifel kamen allerdings am nächsten Morgen zurück: „Ich versuche es halt, nach 3 Rennen werfen die mich bestimmt doch wieder raus“, waren seine damaligen Gedanken. Es sollte anders kommen. Aus den vermeintlichen drei Rennen wurden 47 Jahre als Abschnittsleiter.
Zunächst war Mönig für die Parkbereiche rund um die damalige „Betonschleife“ zuständig. Nach der Eröffnung der neuen Grand-Prix-Strecke 1984 übernahm er die Verantwortung für die Parkplatzzone C, die er über Jahrzehnte bei Großveranstaltungen betreute.
Dabei ging seine Arbeit weit über das Einweisen von Fahrzeugen hinaus. Bereits Wochen vor einer Veranstaltung begann für ihn die Personalplanung. Mitarbeiter mussten eingeteilt, Park- und Campingkarten vorbereitet und die Abläufe organisiert werden. Nach den Veranstaltungen folgten Abrechnungen, Stundennachweise und Erfahrungsberichte. Bei Großveranstaltungen koordinierte er bis zu 100 Aushilfen. Aus dem jungen Helfer, der einst an der Südschleife für Ordnung sorgte, war längst eine feste Größe im Veranstaltungsbetrieb geworden.
Über 650 Veranstaltungen und jede Menge Geschichten
Die Zahlen seiner Nürburgring-Laufbahn sind beeindruckend: Seit 1980 war Karl Mönig bei mehr als 650 Veranstaltungen als Parkplatzleiter im Einsatz. Hinzu kommen zahlreiche weitere Einsätze aus den Jahren zuvor. Er erlebte die Formel 1 am Nürburgring über Jahrzehnte, war seit 1980 bei jedem 24-Stunden-Rennen dabei und begleitete Rock am Ring sowie den Internationalen ADAC Truck-Grand-Prix von Beginn an.
Und natürlich hat jemand, der so lange dabei ist, nicht nur viel erlebt, sondern auch die eine oder andere eigene Idee eingebracht. Beispielsweise 1986, als Mönig die offiziellen Bezeichnungen der Zufahrten zur Parkplatzzone C schlicht zu umständlich fand. „So habe ich eigenmächtig die Zufahrten in den C-Bereich in die Einfahrten 1 bis 5 umbenannt“, berichtet er. Später wurde die Nummerierung auch auf weitere Bereiche des Nürburgrings übertragen. Auch die Premiere von Rock am Ring 1985 ist ihm in Erinnerung geblieben. Damals sollte sein Team verhindern, dass Besucher auf den Parkflächen der C-Zone campierten. Das funktionierte zunächst – bis plötzlich doch Zelte auf Parkplatz C2 standen. Der Grund war schnell gefunden: Der benachbarte Campingplatz war voll, und dessen Betreiber hatte kurzerhand den Zaun geöffnet, um weitere Gäste auf die angrenzende Fläche zu lassen.
Es sind solche Geschichten, die zeigen, wie sehr sich der Nürburgring in sechs Jahrzehnten verändert hat. Von improvisierten Abläufen und einfachen Taschenlampen bei nächtlichen Parkplatzeinsätzen bis hin zum heutigen professionellen Veranstaltungsbetrieb. Karl Mönig hat diese Entwicklung nicht nur miterlebt, sondern über viele Jahre aktiv mitgestaltet.
Eine besondere Verbundenheit mit dem Nürburgring
Was Karl Mönigs Geschichte so besonders macht, sind nicht allein die vielen Veranstaltungen und Jahrzehnte. Es ist die Selbstverständlichkeit mit der er am Nürburgring über so lange Zeit Verantwortung übernahm und mit seinen Mitarbeitern dafür sorgte, dass auch hinter den Kulissen alles funktionierte.
Denn zum Erfolg einer Großveranstaltung gehören nicht nur diejenigen, die auf der Rennstrecke, auf der Bühne oder im Rampenlicht stehen. Es sind auch die vielen Menschen im Hintergrund, die den Betrieb überhaupt erst möglich machen. Menschen wie Karl Mönig.
Mit seinem Abschied endet nun eine außergewöhnliche Laufbahn, die fast ein ganzes Leben umfasst. Nürburgring-Geschäftsführer Ingo Böder bedankte sich bei Karl „Charly“ Mönig für 62 Jahre Einsatz, Verlässlichkeit und Verbundenheit mit der Rennstrecke.
Und auch wenn der Nürburgring künftig ohne seinen langjährigen Parkplatzleiter auskommen muss: Die vielen Geschichten aus mehr als sechs Jahrzehnten bleiben. Ebenso wie die Spuren, die Charly hinterlassen hat – manchmal sogar ganz praktisch, in Form von nummerierten Einfahrten.
Auch Teil der Nürburgring-Geschichte werden
Auch heute bietet der Nürburgring zahlreiche Möglichkeiten, Teil des Teams zu werden – ob mit einer Ausbildung, einem Aushilfsjob oder einer Festanstellung in unterschiedlichen Unternehmensbereichen. Alle Informationen zu aktuellen Stellenangeboten, Ausbildungsplätzen und Aushilfstätigkeiten gibt es hier.
